
Franz von Assisi als Impulsgeber ökologischen Denkens
Anlässlich des 800. Todestages Franz von Assisi widmet sich der Vortrag von PD Dr. Marcus Knaup (Hagen/Freiburg) der bleibenden Aktualität dieser außergewöhnlichen Gestalt für gegenwärtige umweltethische und spirituelle Fragestellungen. Im Zentrum steht Franz von Assisi als eine Figur, in der mystische Welterfahrung und ethische Verantwortung für die Schöpfung untrennbar miteinander verbunden sind. Ausgehend von den überlieferten Zeugnissen seines Lebens und den ihm zugeschriebenen Gebeten und Lobgesängen wird gezeigt, dass seine Haltung zur Natur aus einer tiefen Erfahrung der Geschöpflichkeit und Verbundenheit aller Wesen hervorgeht. Die bekannte Anrede von Sonne, Mond, Tieren und Elementen als „Brüder“ und „Schwestern“ verweist auf eine relationale Weltsicht, in der der Mensch nicht als Herrscher über die Natur erscheint, sondern als Teil eines umfassenden Beziehungsgefüges. Diese Sicht hat weitreichende ethische Konsequenzen: Demut, Genügsamkeit und Gewaltlosigkeit werden zu Grundhaltungen eines verantwortlichen Umgangs mit der natürlichen Umwelt. Seine Spiritualität eröffnet Perspektiven für eine Umweltethik, die ethisches Handeln aus einer vertieften Beziehung zur Schöpfung und zu Gott heraus versteht.
Mittwoch, 14. Oktober 2026 ¦ 20.00 - 21.30 UhrPD Dr. Marcus Knaup
Philosoph, Bioethiker und katholischer Theologe, der sich mit umweltethischen Fragen beschäftigt. Er war als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am Wissenschaftlichen Exzellenzzentrum für Integrative Bioethik an der Universität Zagreb (Kroatien) tätig, ist Privatdozent für Philosophie an der FernUniversität in Hagen und Gastwissenschaftler an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.